Die Welt im Wandel: Willkommen in der VUKA-Welt

Die Welt befindet sich in einem Wandel von nie dagewesenem Ausmaß, welche von Schnelllebigkeit, Komplexität und Unsicherheit geprägt ist. Deutlich wird dies durch multiple Krisen (Roth & Lambertin, 2023, S. 87) wie die COVID-19-Pandemie, die anhaltenden Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten, die Flüchtlingskrise sowie den Klimawandel. Gleichzeitig stehen diesen plötzlich eintretenden Ereignissen langfristige Megatrends wie Globalisierung, Digitalisierung, demografischer Wandel und der Wandel zur Wissenskultur gegenüber (zukunftsInstitut, n. d.; Schermuly, 2021, S. 43).

Zur Beschreibung dieser Entwicklung wird häufig der Begriff VUKA-Welt verwendet:

   •       Volatilität,

   •       Unsicherheit,

   •       Komplexität und

   •       Ambiguität (Kauffeld & Sauer, 2019, S. 40; Schermuly, 2021, S. 43).

Diese VUKA-Welt beeinflusst sämtliche Lebensbereiche – insbesondere jedoch das Individuum und dessen Berufsleben (Roth & Lambertin, 2023, S. 86).

Steigende psychische Belastung in der Arbeitswelt

Die Anforderungen an Erwerbstätige nehmen in der VUKA-Welt stetig zu – mit spürbaren Folgen für die psychische Gesundheit (Rau & Buyken, 2015, S. 126). Befragungen von 2006, 2012 und 2018 zeigen, dass rund die Hälfte der Beschäftigten unter starkem Zeit- und Leistungsdruck steht und sich zunehmend belastet fühlt (Hünefeld, 2018, S. 1f.).

Im Jahr 2022 waren psychische Erkrankungen für 15,1 % aller krankheitsbedingten Fehltage verantwortlich – mit durchschnittlich 36,6 Krankheitstagen pro Fall (Hildebrandt et al., 2023, S. 18). Laut DAK (2013, S. 66) liegt der Anstieg unter anderem an einer tatsächlichen Zunahme psychischer Erkrankungen unter Erwerbstätigen. Die Kombination aus persönlicher Verwundbarkeit (Vulnerabilität) und vielfältigen Stressoren wirkt als Risikofaktor für psychische Belastungen (Hensch & Strobel, 2020, S. 190).

Da die psychische Gesundheit ein entscheidender Faktor für das individuelle Wohlbefinden ist (WHO, 2014, S. 99), kann die VUKA-Welt dieses Wohlbefinden nachhaltig beeinträchtigen.

Karriere im Umbruch: Neue Wege statt klassischer Laufbahnen

Auch das traditionelle Karriereverständnis steht auf dem Prüfstand. In einer Zeit ständiger Veränderungen können sich Erwerbstätige nicht mehr auf eine Organisation oder eine einmal erreichte Beschäftigungsfähigkeit verlassen (Kauffeld & Grote, 2019, S. 168). Stattdessen sind sie gefordert, ihre Karriere aktiv und eigenverantwortlich zu gestalten (Mishra & McDonald, 2017, S. 207).

Die VUKA-Welt beeinflusst dabei nicht nur die Karriereentscheidungen, sondern auch, wie Menschen ihre berufliche Laufbahn entwickeln und bewerten (Dettmers et al., 2020, S. 10). Ein zentraler Indikator hierfür ist die Karrierezufriedenheit (Spurk & Volmer, 2013, S. 85), die eng mit dem allgemeinen Wohlbefinden verknüpft ist (Abele, 2002, S. 109; Spurk et al., 2013, S. 434).

Resilienz als Schlüsselkompetenz für die Zukunft

Um den Herausforderungen der VUKA-Welt zu begegnen, braucht es vor allem eines: Resilienz. Resiliente Menschen sind anpassungsfähig, widerstandsfähig und in der Lage, auch unter schwierigen Bedingungen handlungsfähig zu bleiben (Mishra & McDonald, 2017, S. 222).

Resilienz stärkt nicht nur die psychische Gesundheit (RKI, 2021, S. 18), sondern ist auch im Berufsleben von zentraler Bedeutung – etwa beim Umgang mit Unsicherheit, Veränderungen oder hohen Belastungen (Luthans et al., 2006, S. 25).

Fazit: Zwischen Herausforderung und Chance

Die VUKA-Welt stellt unsere Arbeitswelt und unser Selbstverständnis von Karriere, Gesundheit und Erfolg grundlegend in Frage. Doch inmitten von Unsicherheit und Veränderung liegen auch Chancen: Wer es schafft, seine Resilienz zu stärken, kann nicht nur mit Krisen besser umgehen, sondern auch die eigene Karriere proaktiv und sinnerfüllt gestalten.

In Zukunft wird es nicht mehr nur darauf ankommen, was wir leisten, sondern wie wir mit Veränderung umgehen. Resilienz, Selbstreflexion und eine flexible Haltung sind dabei essenzielle Schlüssel für persönliches Wohlbefinden und beruflichen Erfolg.


Quellen:

  •   Roth, J. & Lambertin, K. (2023). Sicherheit in unsicheren Zeiten – Zeitenwende in betrieblichen Organisationen: Herausforderungen und Lösungsansätze aus Sicht von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. In B. Badura, A. Ducki, J. Baumgardt, M. Meyer & H. Schröder (Hrsg.), Fehlzeiten-Report 2023. Zeitenwende – Arbeit gesund gestalten (S. 85–97). Springer.
  • Schermuly, C. (2021). New Work – Gute Arbeit gestalten. Psychologisches Empowerment von Mitarbeitern (3. Aufl.). Haufe.
  • zukunftsInstitut (n. d.). Die Megatrends. https://www.zukunftsinstitut.de/dossier/megatrends/#bedeutung-wirtschaft [19.04.2024].
  • Kauffeld, S. & Sauer, N.C. (2019). Vergangenheit und Zukunft der Arbeits- und Organisationspsychologie. In S. Kauffeld (Hrsg.), Arbeits-, Organisations- und Personalpsychologie für Bachelor (3. Aufl., S. 21-43). Springer.
  • Rau, R. & Buyken, D. (2015). Der aktuelle Kenntnisstand über Erkrankungsrisiken durch psychische Arbeitsbelastungen. Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie, 59, 113–129.
  • Hünefeld, L. (2018). Zeitdruck und Co – Wird Arbeiten immer intensiver und belastender? Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 26, 1-2.
  • Hildebrandt, S., Dehl, S. T., Zich, K. & Nolting, H. D. (2023). Analyse der Arbeitsunfähigkeiten: Gesundheitsrisiko Personalmangel: Arbeitswelt unter Druck. In A. Strom (Hrsg.), Gesundheitsreport 2023 (S. 1-147). medhochzwei.
  • DAK. (2013). DAK-Gesundheitsreport 2013. DAK Forschung.
  • Hensch, T. & Strobel, A. (2020). Differentiellpsychologische Perspektive in der Klinischen Psychologie. In J. Hoyer & S. Knappe (Hrsg.), Klinische Psychologie & Psychotherapie (3. Aufl., S. 190–208). Springer.
  • WHO. (2014). Der Europäische Gesundheitsbericht 2012: ein Wegweiser zu mehr Wohlbefinden. Weltgesundheitsorganisation. Regionalbüro für Europa.
  • Kauffeld, S. & Grote, S. (2019). Personalentwicklung. In S. Kauffeld (Hrsg.), Arbeits-, Organisations- und Personalpsychologie für Bachelor (3. Aufl., S. 167-207). Springer.
  • Mishra, P. & McDonald, K. (2017). Career Resilience: An Review of the Empirical Literature. Human Resource Development Review, 16(3), 207-234.
  • Robert Koch-Institut. (Hrsg.). (2021). Psychische Gesundheit in Deutschland. Erkennen – Bewerten – Handeln. Schwerpunktbericht Teil 1 – Erwachsene. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Gemeinsam getragen von RKI und Destatis. RKI.
  • Dettmers, S., Jochmann, W., Hermann, A., Zimmermann, T., Knappstein, M., Fastenroth, M. & Pela, P. (2020). Studie 2020. AGILE UNTERNEHMEN. Zukunftstrend oder Mythos der digitalen Arbeitswelt?. StepStone GmbH & Kienbaum Institut.
  • Spurk, D., Volmer, J. & Abele, A. E. (2013). Prognose von Berufserfolg: Überblick und aktuelle Trends. In J.-P. Pahl & V. Herkner (Hrsg.), Handbuch Berufsforschung (S. 434-441). Bertelsmann.
  • Luthans, F., Vogelgesang, G. R. & Lester, P. B. (2006). Developing the psychological capital of resiliency. Human Resource Development Review, 5(1), 25-44.

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